Wenn einer eine Reise tut…

... dann kann er was erleben. So, oder so ähnlich geht ein altes Sprichwort das sich immer wieder bewahrheitet. Da ich mich mal wieder auf Dienstreise begeben sollte, und mir die Art der Anreise meistens freigestellt ist, habe ich mich diesmal für den Nachtzug der deutschen Bahn entschieden. Warum ich sowas mache? Weil ich erstens keine Lust hatte auf 6h Auto fahren und zweitens noch nie mit einem Nachtzug gefahren bin. In diesem Zug hat man 3 Möglichkeiten des übernachtens. Da wäre zunächst der ganz normale verstellbare Sitz und dann gibt es die beiden Liegevarianten "Kajütenwagen" und der exorbitant teure "Schlafwagen". Ich hatte den Kajütenwagen gebucht, weil der Schlafwagen so teuer ist, dass man dann den Verzicht auf einen Flug oder einen Mietwagen, wohlgemerkt für eine ganze Woche, bei der FiBu nicht mehr sachlich begründen kann 😉 Na jedenfalls sind in einem Kajütenwagen ca. ein Dutzend Kabinen in denen jeweils 2 Personen übereinander platz finden. Das heisst oben liegt man auf einer wirklich sehr schmalen Liege und darunter befinden sich 2 normale Sitze die sich gegenüberstehen und die zu einer Liegefläche zusammengeschoben werden können. Dazu gesellen sich noch ein paar Schließfächer an der Seite, wo man seine Wertsachen verstauen kann. Ich hatte den unteren Teil, also die 2 zusammengeschobenen Sitzflächen als Schlafplatz plus ein Bettlaken, ein wirklich lächerlich kleines schmales Kissen und eine einfache Couch-Decke zum kuscheln, Prima! Also um auf den Punkt zu kommen, es war nicht gerade angenehm. Die Liegefläche ist nicht eben und viel zu kurz; und ich bin mit 1,78 nicht gerade gr0ß. Das rattern der Räder stört schon ganz schön und die ständigen Kurven und Ruckler wecken einen leider recht häufig auf. Also ich war zwar streckenweise abwesend, aber bestimmt stündlich wach und richtig schlafen würde ich das auch nicht nennen. Jetzt weiss ich jedenfalls genau was es bedeutet wenn jemand sagt er sei "gerädert"... Leider hatte ich an diesem Tag dann ein langes Seminar, was durch diese Fahrt im Rücken nicht gerade einfach zu überstehen war. Na jedenfalls kann ich das Ãœbernachten im Kajütenwagen nicht unbedingt empfehlen und das nächste mal fahre ich wieder tagsüber oder ich fliege. Was nützt es einem, wenn man zwar die Reisezeit effektiver nutzen kann, man aber dafür am Folgetag zu nichts zu gebrauchen ist. Ach ja, den Vogel hat dann früh der Schaffner noch abgeschossen, als er für den Kaffee 2,70 Euro haben wollte. Das bei den Ticketpreisen in einem Nachtzug kein "Guten Morgen Kaffee" inklusive ist, ist eine Frechheit und wieder mal typisch für die Servicewüste Deutschland! Auf den Kaffee hab ich jedenfalls verzichtet...

4 Gedanken zu „Wenn einer eine Reise tut…“

  1. Warum tust Du Dir freiwillig sowas an?? Flieg doch einfach solch lange Strecken! Bei uns gilt: Alles bis 2h Reisezeit mit der Bahn (erster Klasse), alles darüber mit dem Flieger (Holzklasse). Ich würd sogar meine Besuche in der Heimat mit dem Flieger erledigen, wenn man da nicht schon 2 Jahre im Voraus buchen müßte, um nen einigermaßen guten Preis zu bekommen…
    Tja und zum Kaffee sei zu sagen: Bei 2,70 Eur kann man auf den Kaffee getrost verzichten, da ist man durch den Preisschock schon wach. 😉

  2. Gerädert .. der Vergleich ist gut. 🙂
    Dass die Qualität verglichen zum Preis leidet, sollte nicht nur bei der Bahn aufgefallen sein. Wie rechtfertigt man denn Preise, die man via Auto bzw Flieger bei weitem toppen kann? Angeblich mit Zeitersparnis, weil ich währenddessen Dinge tun kann, die ich bei den anderen nicht machen kann. Aber was nützt mir das, wenn ich dafür doppelt und dreifach bezahle bzw. mir noch anderweitig Geld aus der Tasche gezogen wird (siehe Kaffee – wo man bei dem Preis fast n ganzes Pfund für kriegt).
    Ãœbrigens: Entspannter ankommen (war mal so ein Slogan) ist nicht mehr – Verspätungen, Hetze zum Anschlusszug, kein Recht auf für eine gebuchte Fahrt reservierten Sitzplatz (selbst erlebt), Nuschelansagen, Verbindungsabbrüche von Handy und Datenverbindungen, der aufstauende Frust deswegen …. alles andere als entspannt 🙂

  3. Ja, also arbeiten kann man vieleicht in der 1. Klasse wo gut Platz ist, aber in der 2. Klasse, wenn sich 3 weitere Leute sammt Laptop an einem Tisch tummeln kann man das getrost vergessen. Und das rumgeruckle auf manchen Strecken macht das lesen oder tippen auch nicht gerade angenehmer. Viele rückwärts fahrende Leute haben den längsten Teil der Fahrt schon genug damit zu tun nicht kotzen zu müssen 😉

  4. moin

    ich verfolge deine schriftlichen äußerungen des öfteren und habe jetzt schon sehr oft die bezeichnung „service wüste deutschland“ gelesen…in manchen punkten hast du sicher recht, aber mach uns doch nicht so schlecht. nach der neusten dienstleistungsumfrage ist deutschland ein serviceparadies mit ausnahme der bahn und der telekom. hier der spiegel artikel 🙂

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,551162,00.html

    gruß seb

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